Wir sind mit der Beratungsstelle umgezogen. Unsere neue Adresse lautet: Sögestraße 55/57 in 28195 Bremen (der Eingang liegt in der Herdentorswallstraße)

 

 

 

 

 

 

20.12.2016

Ab 1. Januar 2017: Einführung der Pflegegrade und des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs

Ab Januar werden die bestehenden Pflegestufen in Pflegerade umgewandelt. Statt den Pflegestufen 0 bis 3 gibt es dann die Pflegegrade 1 bis 5.

Die neuen Pflegegrade

Sofern jemand im Jahr 2016 schon eine Pflegestufe hatte, erfolgt die Überleitung ganz automatisch. Es muss kein Antrag gestellt werden und keine neue Begutachtung stattfinden. Alle Versicherten haben bereits von der Pflegekasse eine Mitteilung erhalten, in welchen Pflegegrad sie ab dem 1.1.2017 übergeleitet werden. Es gilt dabei folgende Regelung für Menschen, bei denen im Jahr 2016 eine eingeschränkte Alltagskompetenz (z.B. aufgrund einer Demenzerkrankung) seitens der Pflegekasse anerkannt war:

Eingeschränkte Alltagskompetenz (sogenannte Pflegestufe 0) = Pflegegrad 2

                                                                             Pflegestufe 1 = Pflegegrad 3

                                                                             Pflegestufe 2 = Pflegegrad 4

                                                                             Pflegestufe 3 = Pflegegrad 5

Alle anderen, die bereits dieses Jahr (2016) eine Pflegestufe haben, bei denen aber keine eingeschränkte Alltagskompetenz vorliegt, werden von ihrer Pflegestufe in den nächsthöheren Pflegegrad (z.B. von Pflegestufe 1 in Pflegegrad 2) übergeleitet.

Wichtig dabei ist, dass alle, die in die Pflegegrade übergeleitet werden, bei den Leistungen der Pflegeversicherung einen Bestandsschutz haben, d.h. sie dürfen durch die Reform nicht schlechter gestellt sein als zuvor. Konkret bedeutet dies unter anderem:

- bei einer erneuten Begutachtung dürfen sie nicht in einen niedrigeren Pflegegrad eingestuft werden

 (Ausnahme: bei einer erneuten Begutachtung nach den neuen Kriterien des Pflegebedürftigkeitsbegriff liegt gar keine Pflegebedürftigkeit mehr vor)

- Bei Personen, die im Jahr 2016 in einem Pflegeheim leben, darf der Eigenanteil für die stationäre Pflege nicht steigen.

Es kann Sinn machen, die Schreiben der Pflegeversicherung noch einmal dahingehend zu prüfen, ob die Überleitung in den entsprechenden Pflegegrad korrekt erfolgt ist. Bei Fragen wenden Sie sich an die entsprechende Pflegekasse, an die Pflegestützpunkte oder auch an uns.

 

Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff

Durch den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff ändern sich die Kriterien, die aussschlaggebend dafür sind, ob eine Pflegebedürftigkeit vorliegt oder nicht. Es gab viel Kritik an dem bisherigen, alten System, bei dem es auf die anerkannten Pflegeminuten ankam. Das neue Verfahren beinhaltet keine Pflegeminuten mehr, sondern stellt den Grad der Selbstständigkeit der zu begutachtenden Person in den Mittelpunkt.

Wer noch im Jahr 2016 einen Antrag auf Leistungen der Pflegversicherung oder eine Höhereinstufung beantragt hat, wird  - auch wenn die Begutachtung erst im Jahr 2017 stattfindet - nach dem alten System begutachtet.

Wer ab dem 01.01.2017 einen Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung stellt oder einen Antrag auf Höherstufung stellt, wird nach dem Neuen Begutachtungs Assessment  (NBA) begutachtet. Dieses neue Assessement besteht aus insgesamt 8 Modulen, wovon jedoch nur 6 für die Einstufung in einen Pflegegrad entscheidend sind. Diese 6 Module sind:

1) Mobilität

2) Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

3) Verhaltensweisen und psychische Problemlagen

4) Selbstversorgung

5) Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen

6) Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Die beiden Module 7 und 8  ("Außerhäusliche Aktivitäten" und "Haushaltsführung") werden für die weitere Hilfeplanung abgefragt.

Die Module 1-6 werden unterschiedlich gewichtet, so geht z.B. das Modul "Selbstversorgung" mit 40 % in die Gesamtbewertung ein, während das Modul "Mobilität" nur mit 10 % einfließt. Die einzelnen Module bestehen aus Fragen, die Antworten darauf sind mit Punktwerten hinterlegt. Die ereichten Punkte in einem Modul werden zusammengezählt und entsprechend der Gewichtung in eine Gesamtpunktzahl des Moduls umgewandelt. Zählt man dann alle Gesamtpunktzahlen aus den Modulen 1-6 zusammen, ergibt sich ein Wert zwischen 0 und 100. Daraus wird dann wiederum der Pflegegrad abgeleitet:

Pflegegrad 1: geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit (ab 12,5 bis unter 27 Gesamtpunkte)

Pflegegrad 2: erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit (ab 27 bis unter 47,5 Gesamtpunkte)

Pflegegrad 3: schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit (ab 47,5 bis unter 70 Gesamtpunkte)

Pflegegrad 4: schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit (ab 70 bis unter 90 Gesamtpunkte)

Pflegegrad 5: schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung (ab 90 bis 100 Gesamtpunkte)

 

Grundsätzlich kann es hilfreich sein, sich vor Antragstellung und Begutachtung nochmals individuell beraten zu lassen.